Führerschein im Blick - Mobilitätsbildung in der Sek. II
Motorisierte Verkehrsteilnahme ist das Stichwort, um das sich Mobilitätsbildung in der Sekundarstufe II dreht. Viele Jugendliche und junge Erwachsene fahren Mofa oder Roller, die meisten haben den Führerschein fest im Blick. Motorisierte Verkehrsteilnahme ist selbstverständlicher Teil der individuellen Lebensgestaltung. Schule kann und soll die jungen Menschen auf diesem Weg begleiten.
Kein Spaß ohne Risiko?
Mit dem Erwerb des Führerscheins nimmt die Verantwortung Jugendlicher als Verkehrsteilnehmer zu. Fahranfänger haben in den ersten Monaten generell ein höheres Unfallrisiko - unabhängig vom Alter. Nach den ersten 5.000 Kilometern hinterm Lenkrad nimmt die Unfallgefahr wieder ab.
Bei jungen Leuten gesellt sich zu der mangelnden Fahrpraxis oft noch jugendlicher Leichtsinn und Imponiergehabe. Auf einen beträchtlichen Teil der heranwachsenden Männer übt Geschwindigkeit eine geradezu berauschende Wirkung aus. Kommt dann noch Alkohol ins Spiel, enden Ausflüge leicht mit fatalen Folgen. Diese Risikogruppe stellt die Schule vor besondere Herausforderungen.
Aber auch für Schüler, die nicht zu dieser Risikogruppe zählen, sind Verkehrserziehung und Mobilitätsbildung wichtig. Auch sie haben Fragen: Was ist Begleitetes Fahren ab 17?, Wie verhalte ich mich, wenn ich mit Freunden unterwegs bin und der Fahrer etwas getrunken hat? usw.
Mobilitätsbildung hat es schwer - aber es lohnt sich
An Themen mangelt es nicht. Dennoch hat Mobilitätsbildung in der Sek. II einen eher schweren Stand. Positive Ausnahmen ändern nichts daran, dass verkehrserzieherische Themen insgesamt recht stiefmütterlich behandelt werden.
Dies gilt vor allem für die Berufsschulen. Vielfach scheitert sie hier schon aus organisatorischen Gründen. In der gymnasialen Oberstufe sieht es zumindest theoretisch etwas besser aus. Sowohl in einzelnen Fächern als auch im Rahmen fächerübergreifender Projekte lassen sich verkehrsrelevante Themen gewinnbringend erarbeiten. Allerdings verstehen sich viele Gymnasialpädagogen primär als Fachlehrer und bringen dem Thema Mobilität nicht immer die Aufmerksamkeit entgegen, die es verdient.
Das in den Augen vieler etwas hölzern wirkende Image des "Fachs" trägt ebenso dazu bei wie die mangelnde Präsenz von Verkehrserziehung und Mobilitätsbildung im Rahmen des Lehramtsstudiums und der Referendarausbildung. So gibt es bis heute keine Didaktik der Verkehrserziehung. Ein einziger Lehrstuhl für Verkehrserziehung - an der Universität Duisburg-Essen - spricht Bände über den Stellenwert von Mobilitätsbildung im Hochschulbereich.
Andererseits setzt nicht nur die Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Verkehrserziehung von 1994 Vorgaben. Mobilitätsbildung ist Teil des schulischen Erziehungsauftrages. In den Rahmenvorgaben und Lehrplänen der Bundesländer sind verkehrserzieherische Themen konkret ausgewiesen.
Nicht zuletzt die immer noch hohen Unfallzahlen junger Menschen zeigen, dass Verkehrserziehung eine notwendige Aufgabe ist und einen sehr konkreten Bezug zur Lebenswirklichkeit hat. Es lohnt sich. Für jeden Lehrer, in jeder Klasse. In vielen Fächern, in AGs und auf Projekttagen. Und nicht erst dann, wenn ein Unfall im Schulumfeld das Thema auf die Agenda setzt.
Themen und Fragestellungen
Ausgehend von tagesaktuellen Meldungen aus der Presse oder den Erlebnissen einzelner Schüler ergeben sich umfassende Fragestellungen, die zentrale Bereiche des menschlichen Zusammenlebens und der zukünftigen Entwicklung aufgreifen:
- physikalisch-technische Fragestellungen (Brems- und Anhaltewege, Fliehkräfte, Aquaplaning),
- verkehrsmedizinische Fragestellungen (Alkohol, Drogen, Medikamente),
- psychologische Fragestellungen (Aggressionen, Imponiergehabe, geschlechtsspezifische Unterschiede im Verkehrsverhalten, Einstellung zum Risiko),
- ökologische Fragestellungen (Schadstoffe, Tempolimit),
- ökonomische Fragestellungen (Güterverkehr, Transportmittel),
- rechtliche Fragestellungen (Haftung, Versicherung, Führerschein),
- philosophische Fragestellungen (Verantwortung, Leben).
(Themenstellung aus: Empfehlung zur Verkehrserziehung in der Schule. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 07. Juli 1972 i.d.F. vom 17. Juni 1994, zit. nach: Die neue Verkehrserziehung in der Schule. Kommentar zur Empfehlung der Kultusministerkonferenz vom 17.6.1994. Hrsg. von der Deutschen Verkehrswacht, Meckenheim 1995, S. 36 f.)




Druckversion
Artikel empfehlen