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Fahren Frauen besser?


Name: Fahren Frauen besser?
Thema: Geschlechtsspezifisches Verhalten im Straßenverkehr
Methode: Aquarium
Material / Medien: Arbeitsblatt
Fächer: Deutsch, Ethik, Pädagogik, Politik, Religion, Sozialwissenschaften
Einsatzort: Berufskolleg, Berufsschule, Gesamtschule, Gymnasium, Hauptschule, Realschule
Zeit: 1 Stunde, 2 Stunden
Autor/Projektträger: Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR): Jugend will sicher leben - sicher unterwegs, 2004 (<a href="http://www.dvr.de " target="_blank" >www.dvr.de</a>)
Schwerpunkte: Alkohol, Diskounfälle - Wochenendfahrten, Drogen, Gender, Gruppenfahrten, Mitfahrer, Selbstüberschätzung

"Fahren Frauen besser?" - Geschlechtsspezifisches Verhalten im Straßenverkehr


Quelle: GWM / DVR
Sind Frauen die besseren Autofahrer?

Sachinformation

 

Lange wurden Kraftfahrzeuge als männliche Domäne aufgefasst. Technisches Verständnis und Körperkraft waren vor allem in der Frühzeit des Automobils unabdingbar für dessen Bedienung. Bereits zu Beginn der Kfz-Geschichte zeigten jedoch einzelne Frauen der erstaunten Öffentlichkeit, dass das nicht so sein muss. Während Carl Benz, der als Erbauer des ersten funktionstüchtigen Automobils gilt, noch zögerte, seine Konstruktion der Öffentlichkeit vorzustellen, ergriff seine Frau Berta 1888 die Initiative und startete ohne Wissen ihres Mannes die erste "Automobil-Fernfahrt" von Mannheim nach Pforzheim. Spätestens seit Jutta Kleinschmidts Sieg bei der Rallye Paris-Dakar dürfte die männliche Illusion der Alleinherrschaft auf diesem Gebiet endgültig gefallen sein.

 

Die Frage, ob Männer oder Frauen besser Auto fahren, beschäftigt jedoch weiterhin die Gemüter. Die Unfallstatistik gibt darüber nur begrenzt Auskunft. Deutlich wird jedoch, dass Frauen seltener an Unfällen beteiligt sind als Männer. Ebenso unbestritten ist, dass Frauen weniger Unfälle verursachen. Auch bei so genannten Aggressionsursachen (Geschwindigkeit, Überholen) und bei Alkoholunfällen schneiden Frauen besser ab. Dies gilt uneingeschränkt auch für junge Fahrerinnen. Die Diskrepanz zwischen jungen Fahrern und jungen Fahrerinnen ist besonders deutlich. "Typische" Unfälle von Frauen sind dagegen Vorfahrtverletzungen und Unfälle beim Abbiegen und Wenden.

 

Offen bleibt die Frage nach den Ursachen. Geschlechtsspezifische Verhaltensweisen bzw. gesellschaftliche (Rollen-) Erwartungen dürften eine Rolle spielen. Vorbilder aus unterschiedlichen Lebensbereichen und den Medien tragen ein Weiteres dazu bei. Der "Draufgänger" am Steuer und die vorsichtige, vermittelnde, teilweise auch ängstliche Fahrerin sind eben nicht nur Klischees.

 

Die Frage, ob Frauen besser fahren, erfordert zudem eine Klärung der Kriterien. Je nach Standpunkt kann es dabei um Fahrzeugbeherrschung, um Zentimeter genaues Einparken, um Gefahrenbewusstsein oder um soziale Fähigkeiten gehen. Unterschiedlich ist auch die Selbsteinschätzung junger Fahrerinnen und Fahrer. Bei einer repräsentativen Befragung der TH Dresden nannten junge Fahrerinnen bei der Bewertung von Situationen das "Ein- und Ausparken" als ihr größtes Problem bzw. größte Schwäche. Junge Männer sahen dagegen als ihr größtes Problem "das Einhalten der Geschwindigkeitsbegrenzungen".

 

Ziel

 

Ziel der Unterrichtseinheit ist es, geschlechtsspezifische Verhaltensweisen im Straßenverkehr zu untersuchen und dem Zusammenhang zwischen Verhaltensweisen und Unfallrisiko nachzugehen.

Die Schülerrinnen und Schüler sollen

  • sich mit Fakten und Vorurteilen geschlechtsspezifischen Verhaltens im Straßenverkehr auseinander setzen,
  • erkennen, dass ihr Verhalten im Straßenverkehr auch geschlechtsspezifische Aspekte beinhaltet,
  • prüfen, inwieweit diese Verhaltensweisen mit einem erhöhten Unfallrisiko einhergehen,
  • bereit sein, sich gegen Rollenerwartungen, die von außen an sie herangetragen werden, zu wehren, wenn sie mit einem erhöhten Risiko verbunden sind.

 

Methodische Hinweise

 

Aquarium

 

Die Klasse / der Kurs wird in fünf Arbeitsgruppen aufgeteilt, die sich arbeitsgleich mit einem Thema beschäftigen. Nach der Arbeitsgruppenphase (ca. 20 Minuten) setzen sich die fünf Sprecher der Arbeitsgruppen in einen Stuhlkreis, die Lehrkraft moderiert das Gespräch, ohne zu bewerten und zu kommentieren. Die Sprecher geben Standpunkt und Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen wieder. Die restlichen Mitglieder der Gruppen sitzen im Kreis um die Diskutierenden herum (Aquarium) und hören zu. Sie kommentieren und bewerten erst in einer abschließenden Diskussion das "Aquarium-Gespräch". Das Gespräch im Innenkreis sollte eher knapp bemessen sein (ca. 15 bis 20 Minuten). Die kleine Gruppe versucht, stellvertretend für die ganze Klasse ein Thema zu erörtern, Ergebnisse auszutauschen und eine Entscheidung zu treffen. (Eine Variante des Aquariums ist, wenn die Lehrkraft lediglich die erste Minute moderiert, das heißt das Thema nochmals umreißt und die Aufgaben definiert, und sich anschließend aus dem inneren Stuhlkreis zurückzieht).

 

Arbeitsblatt:

 

Als Einstieg eignet sich die Geschichte "Frauen machen Fehler - Männer auch!", die entweder vom Lehrer vorgelesen wird oder als Arbeitsblatt von den Schülern gelesen wird.

 

Fragestellung: "Fahren Frauen besser?

 

Mögliche Argumente in der Diskussion

 

Pro

  • Männer fahren häufig zu schnell.
  • Männer suchen sich PS-starke Fahrzeuge aus und wollen sie dann auch ausfahren.
  • Männer wollen häufig mit ihren Fahrkünsten angeben oder sich beweisen.
  • Männer wollen immer besser sein als andere und betrachten andere als Rivalen.
  • Männer sind vernarrt in Autos und verwechseln die Straße mit einer Rennstrecke.
  • Männer trauen sich zu viel zu und überschätzen sich leicht.
  • Männer fahren häufiger unter Alkoholeinfluss.
  • Frauen fahren vorsichtiger und überlegter.
  • Frauen lassen eher anderen mal die Vorfahrt.
  • Frauen achten bei ihren Fahrzeugen eher auf Sicherheit als auf PS.
  • Frauen haben es nicht nötig, sich vor anderen zu beweisen.

 

Kontra 

  • Männer wissen mehr über Fahrphysik und Technik.
  • Männer interessieren sich mehr für Autos und wissen deshalb auch mehr über das Autofahren.
  • Männer kennen die technische Ausstattung ihres Autos genau und können sie deshalb besser nutzen.
  • Männer konzentrieren sich voll auf das Fahren und sind mehr bei der Sache.
  • Männer haben oft größere Fahrerfahrung als Frauen.
  • Männer merken eher, wenn mit der Technik des Fahrzeugs etwas nicht stimmt.
  • Frauen sind viel zu ängstlich, um souverän Auto fahren zu können.
  • Frauen haben eine Abneigung gegen Technik und denken sich deshalb nicht so in das Fahrzeug hinein.
  • Frauen haben ein schlechteres räumliches Vorstellungsvermögen.
  • Frauen lassen sich beim Fahren leichter ablenken.

 

Moderationsfragen für die Abschlussrunde

 

  • Welche "typisch männlichen" und "typisch weiblichen" Eigenschaften in Bezug auf das Autofahren wurden genannt?
  • Wie kommt es zu diesen Verhaltensweisen?
  • Welche Rolle spielt dabei die Umwelt (Clique, Freunde, Familien usw.)?
  • Kommt es gelegentlich zu Situationen, in denen man sich nicht wohl fühlt in seiner (Geschlechter-) Rolle? Was kann man tun, um sich gegen die Erwartungen der anderen zu wehren?


(nach: Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR): Sicher unterwegs - Unterrichtskonzept für die Sekundarstufe II, CD-ROM, 2004)

 


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