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"Mit mir nicht!"


Name: Mit mir nicht!
Thema: Wochenendfahrten in Begleitung
Methode: Aquarium
Material / Medien: Arbeitsblatt
Fächer: Deutsch, Ethik, Pädagogik, Politik, Religion, Sozialwissenschaften
Einsatzort: Berufskolleg, Berufsschule, Gesamtschule, Gymnasium, Hauptschule, Realschule
Zeit: 1 - 2 Stunden
Autor / Projektträger: Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR): Jugend will sicher leben - sicher unterwegs, 2004 (http://www.dvr.de)
Schwerpunkte: Alkohol, Diskounfälle - Wochenendfahrten, Drogen, Gender, Gruppenfahrten, Gruppendruck, Mitfahrer, Selbstüberschätzung, Verantwortung

"Mit mir nicht!" - Wochenendfahrten in Begleitung


Quelle: GWM / DVR
Jugendliche vor Disko: "Fahren wir noch weiter in den nächsten Laden?"

Sachinformation

 

Besonders hoch ist das Unfallrisiko junger Leute bei Abend- und Nachtfahrten am Wochenende. Diese "Diskounfälle" ereignen meist freitags und samstags zwischen 22.00 und 6.00 Uhr. Auf diesen Fahrten kommt es zu besonders vielen tödlichen Unfälle. Die Stimmung ist ausgelassen, die Gruppe feiert, im Laufe der Nacht werden verschiedene Orte aufgesucht. Euphorische Stimmung stellt sich ein, Alkohol und Drogen tun ein Übriges. Man ist "gut drauf", im Auto dröhnt laute Musik und man hat das Gefühl, dass einen nichts aufhalten kann. Selbstüberschätzung und mit fortschreitender Stunde sinkende Kondition gehen eine gefährliche Verbindung ein und werden zum Auslöser folgenschwerer Unfälle.

 

Für junge Frauen ist diese Situation oft besonders schwierig: Häufig sind sie darauf angewiesen, bei ihrem Partner oder bei Freunden mitzufahren. Wenn sie feststellen, dass der Fahrer unter Alkoholeinfluss steht, stehen sie vor einer schweren Entscheidung: Sollen sie einsteigen oder die Mitfahrt verweigern? Gleichzeitig stellt sich die Frage nach den Konsequenzen. Eine Ablehnung stellt die Beziehung auf die Probe. Durch die Verweigerung geraten sie in Gefahr, als Spielverderberin und "Stimmungsbremse" zu gelten. Zudem stellen sie die Kompetenz des Fahrers an einem empfindlichen Punkt - nämlich der Fahrzeugbeherrschung - in Frage.

 

Andererseits bleibt jungen Frauen mangels eigenen Autos oft keine Alternative. Öffentliche Verkehrsmittel fahren vor allem im ländlichen Raum in den Nachtstunden nicht. Zudem ist ihre Benutzung mit dem Risiko sexueller Belästigung verbunden. Ein Taxi ist (zu) teuer; und die Eltern möchte man auch nicht als Chauffeure einspannen. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, wenn sich in dem geschilderten Konflikt pragmatische Erwägungen gegenüber dem Sicherheitsbedürfnis durchsetzen. Dass junge Frauen bei Unfällen besonders häufig als Mitfahrerinnen im PKW verletzt oder getötet werden, ist auch eine Folge dieser Situation. Es ist also sinnvoll, die jungen Frauen darin zu bestärken, nicht so leicht die Segel zu streichen. Vielmehr sollten sie darauf bestehen, nicht mit Fahrern fahren zu müssen, die getrunken haben.

 

Ziele

 

Ziel der Einheit ist es, die Interessen und Bedürfnisse der Mitfahrerinnen gegenüber einem alkoholisierten Fahrer stärker zur Geltung zu bringen. Gleichzeitig soll die Bereitschaft der Fahrer gefördert werden, auf Alkohol zu verzichten.

Die Schülerinnen und Schüler sollen

  • begreifen, dass nächtliche Disko- bzw. Partyfahrten durch Alkohol /Drogen ein zusätzliches Risikopotenzial erhalten.
  • erkennen, dass sich vor allem Mitfahrerinnen bei dem geschilderten Konflikt in einer unangenehmen Zwangslage befinden.
  • als Mitfahrerinnen in der Lage sein, ihre Sicherheitsinteressen gegenüber den Fahrern besser vertreten zu können.
  • als Fahrer Bereitschaft zeigen, den Bedürfnissen ihrer Mitfahrer(innen) stärker Rechnung zu tragen und auf Alkohol zu verzichten.

 

Methodische Hinweise

 

Aquarium

 

Die Klasse / der Kurs wird in fünf Arbeitsgruppen aufgeteilt, die sich arbeitsgleich mit einem Thema beschäftigen. Nach der Arbeitsgruppenphase (ca. 20 Minuten) setzen sich die fünf Sprecher der Arbeitsgruppen in einen Stuhlkreis, die Lehrkraft moderiert das Gespräch, ohne zu bewerten und zu kommentieren. Die Sprecher geben Standpunkt und Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen wieder. Die restlichen Mitglieder der Gruppen sitzen im Kreis um die Diskutierenden herum (Aquarium) und hören zu. Sie kommentieren und bewerten erst in einer abschließenden Diskussion das "Aquarium-Gespräch".

 

Das Gespräch im Innenkreis sollte eher knapp bemessen sein (ca. 15 bis 20 Minuten). Die kleine Gruppe versucht, stellvertretend für die Klasse ein Thema zu erörtern, Ergebnisse auszutauschen und eine Entscheidung zu treffen. (Eine Variante des Aquariums ist, wenn die Lehrkraft lediglich die erste Minute moderiert, das heißt das Thema nochmals umreißt und die Aufgaben definiert, und sich anschließend aus dem inneren Stuhlkreis zurückzieht).

 

Arbeitsblatt


Das Arbeitsblatt "Mit mir nicht!" leitet die Schüler in die Thematik ein.

 

Fragestellung

 

Soll Verena ins Auto steigen, obwohl sie weiß, dass Oliver zu viel getrunken (Haschisch geraucht, Ecstasy genommen) hat?

 

Mögliche Argumente

 

Pro

  • Der Bus ist schon weg.
  • Laufen ist nachts zu gefährlich, weil man da belästigt wird.
  • Das Taxi ist zu teuer.
  • Die Eltern sind ohnehin nicht begeistert, dass sie so lang weg ist und wären schwer sauer, wenn sie auch noch den Chauffeur spielen müssen.
  • Oliver weiß sicher, was er sich zutrauen kann und was nicht.
  • Nachts ist ja kaum Verkehr auf der Straße.
  • Verena verdirbt sich und den anderen den Abend, wenn sie nicht mitfährt.
  • Die Jungs wären sauer, wenn Verena jetzt nicht mitkommt.
  • Ihre Beziehung zu Oliver könnte belastet werden.
  • Kerstin fände es auch nicht gut, wenn sie "rumzickt".
  • Sie steht vor den anderen als Spielverderberin da.

 

Kontra

  • Sie riskiert Gesundheit und Leben, wenn sie sich zu einem alkoholisierten Fahrer ins Auto setzt.
  • Das teure Taxi oder den Ärger mit den Eltern kann man verkraften, wenn es um Gefahr für Leib und Leben geht.
  • Ihre Eltern würden sicher verstehen, dass sie ihre Tochter in so einem Fall abholen müssen.
  • Wer Alkohol trinkt, kann nicht mehr realistisch einschätzen, ob er noch fahrtüchtig ist.
  • Es ist Fahranfängern verboten, mit Alkohol zu fahren.
  • Sie könnten von der Polizei erwischt werden, Oli wäre dann seinen Führerschein los.
  • Wenn sie einmal nachgibt, wird Oli sich in der Zukunft ähnlich verhalten.
  • Die Stimmung ist jetzt ohnehin schon im Eimer.
  • Von Leuten, die trinken und danach Auto fahren, sollte man sich ohnehin besser trennen.

 

 

Moderationsfragen für die Abschlussrunde

 

  • Wovon hängt es ab, wie man sich in einer Situation wie der geschilderten entscheidet?
  • Warum unterstützt Kerstin Ihre Freundin nicht?
  • Gegenüber welchen Argumenten würde sich Oliver wohl noch am ehesten einsichtig zeigen?
  • Aus welchen Gründen gerät man trotz guter Vorsätze in Gefahr, etwas zu trinken, obwohl man noch fahren will?
  • "Von Freunden, die trinken und danach Auto fahren, sollte man sich besser trennen." Wie stehen Sie zu der Aussage?
  • Warum ist es so schwer, auf andere in Bezug auf das Autofahren positiven Einfluss zu nehmen?
  • In vielen Ländern - auch in Deutshcland - gibt es eine 0-Promille-Regelung für Fahranfänger. Wie beurteilen Sie diese Maßnahme?
  • Was würde sich ändern, wenn Oliver nicht Alkohol, sondern Haschisch oder Ecstasy genommen hätte?

 

(nach: Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR): Sicher unterwegs - Unterrichtskonzept für die Sekundarstufe II, CD-ROM, 2004)

 


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