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Quads - Halb Auto, halb Motorrad


Immer öfter sieht man sie auf unseren Straßen - Fahrzeuge, die wie eine Kreuzung aus Auto und Motorrad aussehen. Vom Motorrad haben sie die Sitzbank, die Lenkstange und den Motor übernommen, vom Auto die vier Reifen. Deshalb nennt man sie umgangssprachlich auch Quads, von Quadricycle (Vierrad). Amtlich werden sie als "kraftradähnliches Vierradkraftfahrzeug" bezeichnet. 


Die Idee kommt aus den USA, dort waren Quads ursprünglich als reine Fun-Mobile abseits der Straße gedacht. Sie wurden auf Basis der sog. "All Terrain Vehicles" (ATV) konstruiert, das sind kleine Nutzfahrzeuge, die aufgrund ihrer guten Geländegängigkeit, Wendigkeit und hohen Zugkraft in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt werden.

 

Diesen Off-Road Charakter erkennt man bei Quads heute noch an den grobstolligen Reifen, den großen Federwegen und der großen Bodenfreiheit. Quads besitzen eine steife Rahmenkonstruktion und sind in der Regel mit einer starren Hinterachse mit Kettenantrieb ausgerüstet.

 

Quelle: Bayer. Gemeindeunfallversicherungsverband
Quad unterwegs


Wer darf Quads fahren?

 

Obwohl Quads eher aussehen wie Motorräder, ist zum Führen eines solchen Fahrzeugs der Pkw-Führerschein der Klasse B erforderlich.

 

Auf Druck der EU gibt es seit dem 1. Februar 2005 auch in Deutschland den Führerschein der Klasse S für so genannte Leicht-Kraftfahrzeuge. Mit dieser Fahrerlaubnis dürfen Personen schon ab 16 Jahren ohne Begleitperson "Auto" fahren, sofern diese bauartbedingt nicht schneller als 45 km/h sind, maximal 50 cm³ Hubraum und 4 kW (5,4 PS) haben und nicht schwerer als 350 kg sind.

 

Durch diese Regelung können 16-Jährige auch Quads fahren, die diesen Merkmalen entsprechen. Dazu werden in der Regel leistungsstärkere Quads gedrosselt. Eine Manipulation dieser Drosselung führt zu "Fahren ohne gültige Betriebserlaubnis und ohne Führerschein". Hier hat der Spaß sein Ende, da durch diese Straftat auch der Versicherungsschutz erlöschen kann.

 


Quelle: Bayer. Gemeindeunfallversicherungsverband
Ausflug mit einem Quad

Straßenversion und Zulassung

 

Nach § 18 der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) dürfen auch Quads nur dann auf öffentlichen Straßen in Betrieb gesetzt werden, wenn sie eine Betriebserlaubnis oder eine EG-Typgenehmigung besitzen und durch Zuteilung eines Kennzeichens zum Verkehr zugelassen sind. Ausnahme sind die Leichtkraftfahrzeuge, die auch schon ab 16 Jahren gefahren werden dürfen. Sie benötigen neben der Betriebserlaubnis nur ein Versicherungskennzeichen. Das ist gerade für Jugendliche ein finanziell interessanter Aspekt, da keine Kfz-Steuer zu entrichten ist und lediglich die Kosten für das kleine Versicherungskennzeichen entstehen.

 

Die Mehrzahl der Quad-Hersteller besitzt für ihre Modelle bereits eine EG-Typgenehmigung, mit der die früher übliche individuelle Einzelabnahme beim amtlich anerkannten Sachverständigen entfallen kann. Das gilt auch für Modelle aus dem Ausland, die mit einer COC Konformitätserklärung (Certification of Conformity) ausgeliefert werden.

 

Ein Quad wird in Abhängigkeit seiner technischen Merkmale in eine der folgenden vier Fahrzeugklassen eingestuft:

 

Vierrädriges Leicht-Kraftfahrzeug

  • maximal 45 km/h, 4 kW (5,4 PS), 50 cm³ und < 350 kg
  • Führerschein Klasse S (ab 16. Jahren) oder Klasse B

Vierrädriges Kfz zur Personenbeförderung (VKP)

  • maximal 15 kW (21 PS)
  • Führerschein Klasse B

Vierrädriges Kfz zur Güterbeförderung (VKG)

  • maximal 15 kW (21 PS)
  • Führerschein Klasse B

Land- oder forstwirtschaftliche Zugmaschine (ZM)

  • keine Leistungsbeschränkung
  • Führerschein Klasse B

 

Fahrverhalten

 

Sicherheitstechnisch sind Quads nicht ganz unbedenklich, erreichen sie in der heute üblichen VKP-Zulassungsvariante mit ihren 21 PS immerhin Geschwindigkeiten von ca. 100 km/h.

 

Wer das erste Mal mit einem Quad fährt, merkt schnell, dass das Fahrverhalten weder mit dem eines Motorrades noch dem eines Autos vergleichbar ist. Die Kippgefahr in Kurven ist extrem, denn im Vergleich zum Auto liegt der Schwerpunkt sehr hoch. Es fehlt jedoch die Möglichkeit, sich wie ein Motorradfahrer in die Kurve zu legen um die Fliehkräfte auszugleichen. Geübte Fahrer können in gewissen Grenzen durch eine Verlagerung ihres Oberkörpers das Kippmoment ausgleichen, Ungeübte verlieren leicht die Kontrolle über das Quad, wenn sie zu schnell in Kurven fahren.

 

Darüber hinaus wirkt sich die grobstollige Geländebereifung negativ auf das Fahrverhalten, die Straßenhaftung und den Bremsweg aus. Die ballonartigen Breitreifen begünstigen das typische schwimmende Fahrverhalten. Anfänger sollten sich daher auf einem Übungsgelände langsam mit diesen Besonderheiten vertraut machen, bevor es zu bösen Überraschungen auf der Straße kommt.

 

Helmpflicht und Sicherheitsausstattung

 

Dem Quad fehlen passive Sicherheitselemente, die den Fahrer bei einem Crash schützen. Im Gegensatz zum Auto besitzen Quads weder energieaufnehmende Frontstrukturen (Knautschzone), noch Airbags oder Sicherheitsgurte. Immerhin hat der Gesetzgeber 2006 die Helmpflicht eingeführt.

 

Zu einer geeigneten persönlichen Schutzausrüstung gehören auch Handschuhe, Nierengurt und Motorradkombi mit Protektoren, damit der Quadfahrer im Falle eines Sturzes aber auch vor Witterungseinflüssen geschützt ist.

 

Immer wieder kommt es zu schweren Verletzungen, wenn sich Quadfahrer mit den Hinterrädern über die eigenen Beine fahren. Obwohl ein Quad an der Ampel nicht umfallen kann, neigen viele Fahrer dazu, ihre Füße auf den Boden zu stellen. Wer diese beim Anfahren nicht rechtzeitig anhebt, wird von den Hinterrädern eingezogen. Einen zuverlässigen Schutz bieten hier die sog. "Nerve-Bars", große waagrechte Schutzbügel, die zwischen Vorder- und Hinterrad montiert sind und als Fußauflage dienen.

 

No Risk - more Fun!

 

Nur wer sich dem Risiko bewusst ist, sein Fahrverhalten entsprechend anpasst und Helm trägt, kann an seinem Quad auf Dauer Freude haben - und zwar sicher!

 

Autor:

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Roselt,
Geschäftsbereich Prävention beim Bayer. Gemeindeunfallversicherungsverband

 

Nachdruck mit freundlicher Erlaubnis der Redaktion des weiß-blauen Pluspunkts


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