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Street-Racing-Spiele erhöhen Risikobereitschaft


Intensiver Konsum von Computer-Rennspielen wirkt sich auf das Fahrverhalten aus und verlängert die Reaktionszeit junger Fahrer im Straßenverkehr um bis zu eine Sekunde. Dies ergab ein Forschungsprojekt der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) und des Allianz Zentrum für Technik (AZT).

 

PC-Rennspiele erhöhen Risikobreitschaft im Straßenverkehr

PC-Rennspiele sind eine beliebte Freizeitbeschäftigung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Uni München und das AZT untersuchten in einer Serie von drei Studien, ob und wie sich intensiver Konsum sog. "Street Racing Games", also Rennen in virtuell nachgebildeten Städten, auf das Risikoverhalten junger Menschen im Straßenverkehr auswirkt. "Gefahren sicher wahrzunehmen, ist für junge Autofahrer eine wichtige Voraussetzung, Unfälle zu vermeiden", so Jörg Kubitzki vom Bereich Kraftfahrzeugtechnik des AZT.

 

338 Fahrer nahmen an der Studie teil, 57 davon als Testpersonen an einem Experiment zum Risikoverhalten. Nachdem die Probanden im Alter von 19 bis 35 Jahren Street Racing Games gespielt hatten, unterzogen sie sich einem objektiven, standardisierten Test mit Verkehrsfilmsequenzen, der die Reaktionszeit in unfallträchtigen Verkehrssituationen in Millisekunden erfasst. "Dieser Test hat gegenüber der Fahrerbeobachtung im Fahrsimulator den Vorteil, dass er nicht in gleichem Maße durch angepasstes Verhalten verfälschbar ist", erklärt Peter Fischer von der LMU.

 

Reaktionszeit verlängert sich um eine Sekunde

 

Das Ergebnis: Nach den Rennspielen wurden im Durchschnitt über eine Sekunde längere Zeitspannen gemessen, bevor ein Fahrmanöver - etwa das Überholen vor einer Landstraßenkurve - von den Testpersonen als kritisch eingestuft wurde. Bei jungen Männern zeigten sich die verlängerten Reaktionszeiten besonders deutlich, unabhängig von der Fahrleistung. "Eine Sekunde Reaktionsverzögerung bedeutet eine erhebliche Gefahr in unfallträchtigen Situationen. Die Automobilindustrie stellt Assistenzsysteme mit geringerem Zeitgewinn bereit", so Kubitzki, "denn schon eine halbe Sekunde kann Leben retten".

 

Die Studie unterstreicht zudem, dass die Intensität des Spielens von Bedeutung ist: Je häufiger Rennspiele gespielt wurden, desto eher schilderten die Teilnehmer risikoreiches Fahren und Verkehrsunfälle.

 

Altersfreigabe erst ab 16 Jahren gefordert

 

Die Studie bestätigt damit die Erkenntnisse einer Vorstudie des AZT aus dem Jahr 2004. Eine Befragung unter Jugendlichen hatte die Relevanz von Rennspielen für die Verkehrssicherheit aufgezeigt. LMU und AZT fordern daher mehr öffentliches Problembewusstsein. Das Fazit von Fischer und Kubitzki: "Verkehrssicherheitsgremien, Industrie und Eltern sollten darauf hinwirken, dass sich bereits Jugendliche kritisch mit ihrem Rennspiel-Konsum auseinandersetzen. Wir halten zudem bei Street-Racing-Spielen und Spielen mit unfallverherrlichendem Inhalt eine Altersfreigabe erst ab 16 Jahren für wünschenswert."

 

Die Münchner Studie widerspricht damit der 2006 von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) publizierten Studie "Rennspiele am Computer". Diese kam zu dem Ergebnis, dass PC-Rennspiele nur sehr bedingt Einfluss auf das reale Fahrverhalten der Spieler haben. Zwar räumen die Autoren der Studie in Einzelfällen nach intensivem Rennspielkonsum ein gewisses Risikopotenzial ein, insgesamt aber wurde Entwarnung gegeben.

 

Die Studie aus München wurde unter dem Titel "Virtual Driving and Risk Taking: Do Racing Games Increase Risk-Taking Cognitions, Affect, and Behaviors?" im Journal of Experimental Psychology veröffentlicht und steht dort als Download zur Verfügung.


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